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Karteneintrag
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Was passiert eigentlich, wenn die Gleitbahn des Kreuzkopfes sich löst oder wenn der Zapfen im Kreuzkopf herausfällt?


Diese Frage wurde beim Original am 21. Januar 1960 um 01:48 durch eine Expresslokomotive der Bauart Britannia beantwortet.


Die Britannia war mit dem Expresszug von Glasgow (St. Enoch) nach St. Pancras/London unterwegs.


Auf der Strecke herrschte ein Schneesturm.


Kurz hinter Settle lösten sich bei einer Geschwindigkeit von 45 mph die beiden Verschraubungen, welche die beiden Hälften der rechten KK-Gleitbahn zusammen hielten.


Die Kolbenstange riß sich vom Kolben los, Kolbenstange, Kreuzkopf und die Pleuelstange fielen herunter und pflügten durch das eigene Gleis, sowie durch Strecke und Oberbau des Nachbargleises für den Gegenverkehr.


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Rechte Seite der Lok Blick von FH Richtung Zylinder


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Der Expresszug entgleiste, stürzte aber nicht um. Unglücklicherweise näherte sich auf den Nebengleis in dem Moment ein Güterzug.


Der Güterzug entgleiste ebenfalls, schlitzte die ersten 5 Wagen des Expresszuges auf. 75 Personen wurden getötet, 8 Personen wurden zT schwer verletzt, darunter der Zugführer des Güterzuges.


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Die Ursachenforschung förderte eine fast banale Unglücksursache zu Tage:


Beide Verschraubungen der Gleitbahnhälften hatten sich gelöst, die Schraubbolzen waren schlicht heraus gefallen. Die Muttern auf der oberen Gleitbahnhälfte waren nur durch Splinte (1/4 Zoll) gesichert. Nachdem ein Splint gebrochen war, rüttelte sich erst die eine, dann die andere Mutter los. Die Mannschaft auf der Britannia berichtete später von einem hämmernden Geräusch, welches sie aber nicht zuordnen konnten.


Es kam heraus, daß die betreffenden Muttern bei früheren Untersuchungen der Lok schon als ‚lose’ befunden wurden. Die Muttern wurden damals neu angezogen und gesichert, die Verschraubungen wurden aber nicht ausgetauscht.


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Alle Britannia-Loks wurden anschließend umgerüstet:


Die Gleitbahnen wurden so verändert, daß der Schraubbolzen sich nicht leicht verdrehen ließ. Das Gewinde wurde verlängert. Die neuen Schraubbolzen wurden durch eingetriebene Keile gesichert. Selbst bei einem Versagen der Mutter sollte der Schraubbolzen nicht mehr durch Schwerkraft herausfallen können.


Was lernen wir aus dieser Geschichte?

  • Hallo Johannes,
    dann sollten wir schnell mal unsere Schrauben an den Gleitbahnen nachziehen . Ist ja schlimm wenn man das liest.
    Grüße
    Wolfgang

  • Wolfgang
    Du solltest mal fix darüber nachdenken, ob Du dieses kleine Detail an Deiner Lok realisieren willst oder nicht.

  • Also diese Frage nach dem Kreuzkopfbolzen konnten wir vor einigen Jahren leider auch mit der HC 206 des Hessencourrier beantworten. Während einer Fahrt brach wegen eines unerkannten Haarrisses der Kreuzkopfbolzen der Heizerseite bei Einfahrt in die Steigung am Mattenberg. Resultat: Zerstörter Zylinder und über 100.000 DM Schaden.... Glück im Unglück, das die Treibstange in Rückwärtsbewegung war.... Der Zylinder ist heute vor dem Museum am Bahnhof Naumburg/Hessen ausgestellt.


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  • Hallo Dampfbahner,


    Vor etwa 13 Jahren ereignete sich an der Furka ein ähnlicher Vorfall: an einer HG3/4 der DFB kam es bei einem Kreuzkopf des innenliegenden Zahnradtriebes durch schlechte Schmierung (Rohr war verstopft) zu einer Blockierung. Darauf brach die Triebstange. Der Zug war auf Talfahrt, die gebrochene Triebstange stand nun auf der Seite der Kurbel senkrecht nach unten, wobei sich die Lok mehrfach einseitig anhob. Die Lokmanschaft konnte eine Notbremsung auslösen. Die Lok blieb wie durch ein Wunder auf dem Gleis stehen.


    Grüsse René

  • Moin,


    auch in den USA gab es ähnlich erschreckende Unfälle.
    Auf dem Bild ist eine Niagara 4-8-4 mit Timken Doppelgestänge zu sehen.
    Sieht dem Unfall den Johannes zeigte etwas ähnlich wie ich finde. Eine kurze Beschreibung des Unfallhergangs
    gibt's unter dem Bild....


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    Gruß
    Christian

  • Moin Christian,


    auf Deinem Foto scheint es fast, als wäre die Kolben"stange" in diesem Fall ein Rohr.....

  • Hallo,


    könnte auf Grund des Leichtbaugestänges auch gut sein.
    Ich versuche mal etwas mehr darüber zu erfahren.


    Gruß
    Christian

  • Hallo


    Bei den deutschen Dampfloks, jedenfalls bei denen, die als Einheitsloks gebaut wurden, ist die Kolbenstange immer ausgebohrt, also ein Rohr.


    Das senkt die hin und hergehenden Massen und erhöht die Laufruhe.


    Mit freundlichen Grüßen


    Damen Weiß Ellen Tracy Ellen Damen Tracy Kleid

    Thomas

  • Kleine Bemerkung dazu: Bei den von Dir erwähnten und auch von den allermeisten anderen deutschen Lok sind die Kolbenstangen nicht ausgebohrt, sondern aus Vollmaterial hergestellt (geschmiedet). Ich habe beiläufig auch noch gesehen, wie Radachsen in der Zentralschmiede zu Kornwesthheim zu Kolbenstangen gestreckt wurden , als keine Neuteile mehr beschafft wurden. Gruß Frizle.

  • Hallo Fritzle


    Ich will nicht bestreiten, das bei späten Reparaturen ein wenig Nachlässiger gearbeitet worden ist.
    Wenn du dir aber die Konstruktionszeichnungen z.B. im Niederstrasser oder in "Die Dampflokomotive" ansiehst, wirst du Erkennen, das alle Kolbenstangen moderner, deutscher Loks vor dem Kolben ausgebohrt konstuiert worden sind.


    Mit freundlichen Grüßen


    Thomas

  • Mahlzeit Thomas,


    ich konnte in den Aufarbeitungsvorschriften zu Kolben und Kolbenstangen bei keiner Lok hohlgebohrte Kolbenstangen finden. Vielleicht handelte es sich nur um eine Versuchsausführung? Die Zeichnung im Niederstrasser scheint mir nicht zur Verallgemeinerung tauglich.


    Gruß Sven

  • Hallo,


    bevor wir jetzt munter weiter spekulieren, habe ich mal in eine entsprechende Originalzeichnung(natürlich Kopie) geschaut: Nach der Reichsahnzeichnung Fld 20.01 Bl 6 waren zumindest die Kolbenstangen für Kolben D=600mm (Br 01, 44 (14bar), 50, 62, 83, 85, 87 ) hohlgebohrt! Und zwar im Bereich vor dem Kolben mit 70 mm und im Bereich des Kolbens mit 50 mm. Der hintere Bereich der Kolbenstange war nicht hohlgebohrt! Die Hohlbohrung wurde mit einem eingeschraubten Stopfen verschlossen!


    Gruß



    Joachim